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Geisterstunde

1. Oktober 2019

Geisterstunde

1. Oktober 2019 Katharina
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Hallo, schön, dass Du da bist. Und herzlich willkommen. Heute sehen wir uns drei weitere Bilder von Antonio Mora an. Auch hier begegnen uns wieder Bilder in Bildern. Aber wir werden sehen, dass Mora hier ältere Kunstwerke mit einbezieht. Was sagen diese Bilder uns?

Treffpunkt

Villa Farnesina Psyche AMor Raffael
Loggia di Psyche, Raffael, 1518, Villa Farnesina, Rome

Lasst uns mit einer Gedankenreise beginnen. Wir sind in Italien, in einer wunderschönen Villa. An ihrer Decke befinden sich Bilder. Was für Bilder sind es? In der Renaissance, aus dieser Zeit stammen unsere Bilder, war es sehr populär, neben religiösen Szenen auch mythologische Ereignisse zu zeigen, also Szenen, die von den Göttern aus der griechischen und römischen Antike handeln.

Wir verlassen nach einiger Zeit die Villa, doch immer wieder denkst Du an diese Figuren, mit ihren wallenden Gewändern, ihren Gesten. Und Du fragst dich, weshalb berühren Dich diese Bilder heute noch? Es ist bei Dir so wie bei den Frauen in Antonio Moras Bildern: Die alten Bilder bleiben in Euren Köpfen. Sehen wir uns nun diese Bilder von Antonio Mora genauer mit den folgenden Fragen an:

  1. Wen sehen wir in Antonio Moras Porträts?
  2. Woran erinnern uns die Bildfiguren und -szenen?
  3. Was fühlen wir bei den Bildern?

Wen sehen wir in Antonio Moras Porträts?

In dem Bild ‘Neodream’ blickt uns eine Frau an. Wie empfindest Du ihren Blick? Ernst, sogar traurig? Das passt zu der Szene, an die sie zu denken scheint. Wir sehen einen Engel, seine Arme hebt er empor, sein weißes Gewand weht mit nach oben. Er versperrt zwei Figuren den Weg – die Frau blickt bittend nach oben, der Mann verbirgt das Gesicht in seiner Hand. Was glaubst Du, fühlen sie? Verzweiflung, tiefe Trauer? Wir sehen hier Eva und Adam, die aus dem Paradies vertrieben werden.

Ein Paar begegnet uns auch in dem nächsten Bild. Die Frau im Porträt blickt uns auch an, doch weniger traurig. Vielleicht etwas abwartend, was meinst Du? Ihr Gesicht wird überlagert von zwei fast nackten Gestalten, die sich umarmen. Wenn Du ein Wort dafür finden solltest, worum geht es hier? Vielleicht passt das Wort ‘Liebe’. Wir sehen hier Amor und Psyche. Amor war in der römischen Mythologie der Gott der Liebe. Psyche dagegen war eine sterbliche Königstochter. Nach mehreren bestandenen Tests wird Psyche bei den Göttern aufgenommen und wird unsterblich.

Woran erinnern uns die Bildfiguren?

In beiden Fällen gehören zu den Frauen Bilder aus früheren Jahrhunderten. Die Frauen scheinen an diese Bilder zu denken, sich an sie zu erinnern. Das ist fast wie in einer Geisterstunde, die Bildfiguren schwirren wie Geister in den Köpfen der Frauen herum. Glaubst Du an Geister? Ich weiß es nicht. Aber ich kenne das Gefühl, dass Menschen aus der Vergangenheit in meinem Kopf herumspuken.

Antonio Mora Frau Porträt Adam Eva Verzweiflung Liebe
Neodream, Antonio Mora

Aber wie ist das bei den Frauen, sind die Bildfiguren Bekannte aus ihrem Leben? Wir sehen das verzweifelte Paar Eva und Adam sowie das unsterbliche Liebespaar. Wenn Du das jetzt so hörst, kommt Dir das nicht bekannt vor?

Das verzweifelte Paar, eine Episode aus unserem eigenen Leben. Wir machen gemeinsam einen Fehler und müssen unseren Liebesort verlassen. Und dann das Liebespaar mit Happy End, das erinnert an royale Hochzeiten, wenn eine Bürgerliche mit dem Prinzen zusammen kommt oder an einen ganz klassischen Hollywoodliebesfilm wie Pretty Woman. Richard Gere rettet Julia Roberts.

Was fühlen wir bei den Bildern?

Antonio Mora Frauen Liebe Mythologie
Copia, Antonio Mora

Die Geister bei den Frauen sind keine Unbekannten, keine verstaubten Kunstfiguren. Sondern es gibt sie immer wieder; sie und ihre Rollen haben bis heute überlebt. Berühren Dich die Bilder? Mich schon. Und ich denke, das liegt genau daran, dass ihre Geschichten, ihre Figuren zeitlos sind. Verzweiflung und unsterbliche Liebe – das sind Bestandteile von unserem Leben und von den Dingen, die unser Leben spiegeln wie Literatur und Film.

Und vielleicht stimmen uns die Bilder auch ein bisschen hoffnungsvoll. Wenigstens das mit Psyche und Amor. Den Kampf der Liebe hat es immer gegeben, sie haben ihn gewonnen, genau wie Julia Roberts und Richard Gere. Warum also nicht auch wir?

Ältere Kunstwerke können in unseren Gedanken bleiben. Wir erinnern uns an sie, weil sie Gefühle, Geschichten zeigen, die wir heute immer noch kennen. Die Kunstgeister begleiten uns, erinnern uns an das eigene Leben und machen uns im besten Fall Mut.

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