Neue Beiträge

Bilder, die uns berühren

6. Oktober 2019

Bilder, die uns berühren

6. Oktober 2019 Katharina
Antonio Mora Frauenporträt Wasser Meer
Aquarida, Antonio Mora

Hallo, schön, dass Du da bist. Heute sehen wir uns ein Bild an, das etwas älter ist. Der französische Maler Paul Delaroche hat es 1855 gemalt. Ich habe es ausgesucht, weil es zu den Werken von Antonio Mora passt: Wir sehen eine Frau in Verbindung mit Wasser. Und wie bei Antonio Mora geht es auch hier um Gefühle, um Emotionen, von denen die Bilder erzählen und die wir empfinden.

Treffpunkt

Siehst Du dir gerne Serien an? Und wenn ja, was für Serien sind es? Ich mag Serien sehr. Mir gefällt es, wenn sich eine Geschichte über mehrere Folgen hin entwickelt. Findest Du nicht auch, dass Serien uns auf eine bestimmte Weise fesseln, uns emotional mitnehmen?

Wenn wir Serien sehr gerne mögen, wie ist es dann für uns, wenn eine Geschichte in nur einem Bild erzählt wird? Können wir so ähnlich ergriffen werden, wie bei unserer Lieblingsserie? Das wollen wir heute herausfinden. Lass uns dabei nun die folgenden Fragen mitnehmen:

  1. Was sehen wir in dem Bild?
  2. Was fühlst Du, wenn Du dir das Bild ansiehst?
  3. Welche Rolle spielt das Wasser in dem Bild?

Was sehen wir in dem Bild?

Künstler haben verschiedene Möglichkeiten unseren Blick auf etwas in einem Bild zu lenken. Eine effektive Weise ist dabei der Einsatz von Licht und Schatten. Was wird beleuchtet und was liegt im Dunkel.

Frau Wasser Berühren Gefühle Paul Delaroche
Junge Märtyrerin, 1853, Hermitage, St. Petersburg

So ist es auch bei dem Bild von Paul Delaroche. Ein helles Licht ist wie ein Scheinwerfer auf die Frau im Vordergrund gerichtet. Sie liegt im Wasser, ihre Augen sind geschlossen und ihre Hände zusammengebunden. Ihre Haare und das Gewand scheinen eins mit dem Wasser zu werden. Diagonal hinter ihr sehen wir ein angetautes Boot. Aber es liegt schon im Dunkel.

Jetzt müssen wir unsere Augen etwas anstrengen, siehst Du, wie sich in dem hinteren Bildteil noch zwei Figuren befinden? Kommt es Dir auch so vor, als ob wir aus dem hellen Licht hinaus in die Dunkelheit blicken? Die beiden Figuren stehen auf einer Anhöhe, sie blicken zu der Frau.

Was fühlst Du, wenn Du dir das Bild ansiehst?

Das Gesicht der Frau ist friedlich, aber findest Du nicht auch, dass ihr Anblick einen recht traurig macht?

Frau Wasser Berühren Gefühle Delaroche
Junge Märtyrerin, 1853, Hermitage, St. Petersburg

Liegt es vielleicht an den gefesselten Händen, sie erzählen uns mehr darüber, was zuvor geschehen ist.

Aber es ist auch das Gesicht. Sie war eine junge Frau und kann nun nicht mehr an dem Leben teilnehmen. Ein letztes Mal sehen wir sie bevor sie ganz verschwinden wird.

Und dann sind da noch die beiden Figuren im Hintergrund. Auch ihre Reaktion macht uns traurig. Denn trotz der Dunkelheit sehen wir ihre Verzweiflung. Sie lehnen sich aneinander, der Mann hat die Hand zur Brust geführt und die Frau schmiegt sich an ihn. Sie sind erschüttert genau wie wir.

Welche Rolle spielt das Wasser?

Gehst Du gerne schwimmen? Ich schon. Aber ich finde es schön, wenn das Wasser nicht zu dunkel ist, wenn ich sogar noch den Untergrund sehen kann. Dann ist das Wasser einladender. So wie in dem Bild von Delaroche. Das hell beleuchtete Wasser ist ganz ruhig, keine großen Wellen, kein Drama. Und doch trägt es die verstorbene Frau. Das Wasser hat fast etwas beruhigendes, wirkt es nicht etwas unserem traurigen Eindruck entgegen? Es umfängt die Frau, es trägt sie.

Bei Antonio Moras Fotografien sehen wir Wasser in ganz verschiedenen Formen, vom stillen See bis zum aufgewühlten Meer. Und immer vermittelt es uns eine Stimmung, bestimmte Gefühle. So ist es auch bei Paul Delaroche. Es ist eine sehr traurige Szene, aber in ihrem Tod scheint die Frau fast behütet vom Wasser. Anstelle des Bootes, des Lebens, trägt das Wasser sie jetzt.

Wir sehen einen Moment, eine Frau im stillen Wasser, eine Frau in tosenden Wellen, und das löst verschiedene Gefühle in uns aus. Diese Bilder fesseln uns. Bleiben sie nicht noch bei uns im Gedächtnis, auch nachdem wir sie nicht mehr sehen? Die Gefühle bleiben, die sie uns mitgeben.

Auch einzelne Bilder können uns wie eine gute Serie fesseln. Warum ist das so, was meinst Du? Vielleicht weil es um eines geht, wir möchten berührt werden. Wir möchten mitfühlen. Das können wir in beiden Fällen, wir müssen uns nur darauf einlassen und Zeit haben. Zeit für das Mitfühlen.

×

Send this to a friend