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Für jemanden da sein

16. Oktober 2019

Für jemanden da sein

16. Oktober 2019 Katharina

Hallo, schön, dass Du da bist. Heute sehen wir uns zwei Fotografien von Suzanne Jongmans an. In unserem Interview hat Suzanne uns erzählt, wie gerne sie ‚Ruhe‘ in ihren Fotografien darstellt. Sie möchte, dass wir diese Ruhe nicht nur sehen, sondern auch fühlen. Ich glaube, ihren Bildern gelingt es.

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Wenn Du Lieder hörst, worauf achtest Du dann? Auf die Melodie, auf die Texte? Bei uns läuft oft das Radio. Seit einiger Zeit fragt unsere Tochter mich immer wieder, wovon die jeweiligen Lieder handeln. Ich gebe zu, dass ich bis dahin nicht allzu oft darauf geachtet habe.

Ist Dir mal aufgefallen, dass die meisten Liebeslieder eigentlich traurig sind, von Trennung und Sehnsucht handeln? Aber es gibt auch positive Liedinhalte. Dabei geht es dann darum, füreinander da zu sein. Ein Lied, das Du sicher auch kennst, ist ‚Stand by Me‘. Die Welt, so wir sie kennen, kann auseinander fallen, ich habe keine Angst, weil Du bei mir bist. So kann man vielleicht das Lied zusammenfassen.

Bild 1: The Receptive Mode, Kindred Spirits, Suzanne Jongmans

Und genau um das ‚Da sein‘ für jemanden geht es auch in den Fotografien von Suzanne Jongmans. Sehen wir sie uns doch mit den folgenden Fragen an:

  1. Was sehen wir?
  2. Um wen geht es hier?
  3. Was sagen die Bilder über uns?

Was sehen wir?

In Bild (1) blickt eine junge Frau nach unten. Sie ist in ihren Gedanken versunken. Ihre lockigen Haare rahmen ihr Gesicht ein. Ein weißer Kranz und ein goldener Kreis rahmen sie dann nochmal ein. Kreise umgeben die Frau.

Bild 2: Confronting love, Kindred spirits, Suzanne Jongmans

Auch in Bild (2) begegnet uns eine Frau mit geschlossenen Augen. Sie wird nicht eingerahmt, sondern sie möchte umarmen. Wenn jemand vor Dir steht und seine Arme öffnet, was empfindest Du dann? Ich finde, es ist eine der schönsten Gesten, denn sie sagt: ‚Komm in meine Arme‘. Die Frau in Suzanne Jongmans Fotografie bietet uns Schutz unter ihrem roten Mantel an.

Um wen geht es hier?

Erinnert Dich die junge Frau in Bild (1) an jemanden? Vielleicht an jemanden, den Du schon mal in der Kunst oder aber auch in einer Kirche gesehen hast? Genau, sie ähnelt Maria, der Mutter von Jesus. In Bildern, in denen Maria erfährt, dass sie schwanger ist, blickt sie in ganz ähnlicher Weise.

Und auch in Bild (2) kann es um Maria gehen. Genauer gesagt, um eine bestimmte Weise Maria darzustellen. Hast Du schon mal von der ‚Schutzmantelmadona‘ gehört? Das ist ein Bild von Maria, wie sie ihren Mantel ausbreitet und Gläubige darunter Schutz finden können.

Aber was meinst Du, ist es Maria, die uns in Suzanne Jongmans Bildern gegenübersteht? Vielleicht. Aber da ist noch jemand anderes, nämlich Du oder ich. Sehen wir uns die Bilder genau an. In Bild (1) besteht der weiße Kranz, eine Art Heiligenschein, aus Styroporstäben. Wir kennen sie aus unserem Alltag. Bei Bild (2) hat die Frau nackte Füße. Fast wirkt es so, als ob sie erst gerade in das Bild hineingetreten ist. Ganz unmittelbar.

Die Frauen erinnern uns an Maria, aber mit den Materialien aus unserer Gegenwart, mit ihrem unmittelbaren Auftreten, sind sie mit uns verbunden. Versuch Dich mal in die Frauen hineinzuversetzen. Wir werden ganz ruhig, übernehmen ihre Gefühle. Und was passiert dann?

Was sagen die Bilder über uns?

Du versetzt dich in die Frauen hinein, vielleicht schließt Du für einen Augenblick die Augen. In Bild (1) bist nur Du da. Dich umgeben Kreise, sie fangen bei Dir an und enden bei Dir. Es geht hier um Dich. Du bist für dich selber da. Vielleicht war Maria auch für sich da, als sie die Augen schloss.

Auch in Bild (2) ist die Frau alleine. Aber die geöffneten Arme, die Schutz anbieten, richten sich an ein Gegenüber. ‚Ich möchte für Dich da sein‘, sagt die Bewegung. Die Frau, Du, ihr seid für jemand anderen da, bietet Schutz an.

Wann warst Du für Dich da, wann für andere? Diese Fragen können wir uns jetzt stellen. Jetzt, wenn wir in die Fotografien eingetaucht sind. Wenn wir in uns hineingefühlt haben, uns anderen zugewandt haben. Und wenn wir das nächste Mal das Lied ‚Stand by Me‘ hören, dann können wir daran denken, wie schön es ist für andere aber auch für uns selber da zu sein.

Suzanne Jongmans wird in Kürze ein neues Buch mit ihren Werken herausgeben. Um dieses Buch zu finanzieren, verkauft die Galerie Wilms zwei Editionen. Es sind wunderschöne Fotografien. Für weitere Informationen könnt ihr gerne die Galerie Wilms kontaktieren, Email: info@galeriewilms.nl

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