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Komm herein!

30. November 2019

Komm herein!

30. November 2019 Katharina

Hallo, schön, dass Du da bist. Heute werden wir uns zwei Gemälde im Vergleich ansehen – Irena Kononovas Bild ‘A Corridor’ und ‘Interior Strandgade 30’ des dänischen Malers Vilhelm Hammershøi. Alte trifft neue Kunst.

Treffpunkt

Manchmal sehen wir in der Kunst etwas, das uns an unser Leben erinnert. So ist es mit den geöffneten Türen in den Bildern von Irena Kononova und Vilhelm Hammershøi.

Mir fiel auf, dass ich es am liebsten mag, wenn die Türen in der Wohnung geschlossen sind. Außer wenn meine Tochter in einem anderen Zimmer ist, dann habe ich die Türen gerne geöffnet. Wie ist das bei Dir?

A Corridor, Irena Kononova

Geöffnete und geschlossene Türen, zwei Gesten, mit denen wir etwas ausdrücken können. Das finden wir auch in unseren heutigen Bildern. Diese wollen wir uns mit den folgenden Fragen ansehen.

  1. Was sehen wir?
  2. Welche Rolle spielen die Türen?
  3. Bilder mit oder ohne Figuren – was bedeutet das für uns Betrachter?

Was sehen wir?

In dem Bild ‘A Corridor’ von Irena Kononova sehen wir einen Gang. Er endet bei einer geöffneten Tür. Licht fällt hinein. Fast scheint es so, als ob sich die Tür zum Licht hin öffnet.

Interior Strandgade 30, Vilhelm Hammershøi, 1901, Eigentum des Städelschen Museumsvereins e.V., Frankfurt

Geöffnete Türen sehen wir auch in dem Bild ‘Interior Strandgade 30’ von Vilhelm Hammershøi. Das Gemälde ist 1901 entstanden und gibt uns einen Einblick in eine eher karge Wohnung.

Wir sehen wenige Möbel, umso dominanter sind die geöffneten Türen des vorderen Raums.

In dem Raum dahinter erblicken wir die Frau des Künstlers, Ida Hammershøi. Sie hat uns den Rücken zugewandt.

Welche Rollen spielen die Türen?

Was machen die Türen in Hammershøis Wohnung mit uns?

Ja, sie leiten uns durch die Wohnung. So als ob jemand sie gerade für uns geöffnet hat. Und wohin sie uns führen, das betonen auch die vertikal verlaufenden Bodendielen. Nämlich zu Ida.

A Corridor, Irena Kononova

Geöffnete Türen als Wegweiser, nicht nach außen, sondern zu jemandem hin. Wie ist das nun bei Irena Kononovas Bild, wie empfindest Du hier die Tür?

Ich dachte zuerst, dass sie uns nach außen, zu dem warmen Licht führt. Aber könnte es nicht auch andersrum sein? Jemand von außen wird zu uns nach innen geführt. Die Tür ist geöffnet und jemand kann hereinkommen. So wie das Licht, das schon da ist.

Bilder mit oder ohne Figuren – was bedeutet das für uns Betrachter?

Geöffnete Türen sind eine Einladung zu jemandem hinzugehen. Wie zum Beispiel zu Hammershøis Frau oder zu uns, wenn wir die Türen in der eigenen Wohung offen stehen lassen.

Weil wir in Hammershøis Bild Ida sehen, kennen wir gleich unser Ziel. Unser Blick soll zu ihr gelenkt werden, obwohl sie uns nicht bemerkt. Bei Irena Kononova ist es anders, dort sehen wir niemanden. Und deshalb sind wir als Betrachter nicht nur die Besucher. Sondern wir sind auch diejenigen, die Besuch durch die offene Tür erhalten könnten.

Mit Figur und ohne Figur, Bilder mit geöffneten Türen erinnern uns daran, was wir anderen mit einer geöffneten Tür sagen:

‘Du möchtest in mein Leben kommen, die Tür ist offen. Du möchtest aus meinem Leben gehen, die Tür ist offen. Doch tu mir einen Gefallen, bleib nicht in der Tür stehen. Du blockierst den Verkehr.’ (Anonym)

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