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Mein Tag

4. Dezember 2019

Mein Tag

4. Dezember 2019 Katharina

Hallo, schön, dass Du da bist. Heute sehen wir uns drei Gemälde von Job Klijn an. In ihnen treffen drei Frauen auf leuchtende Farbgebilde. Wir werden uns überlegen, was uns diese Bilder mit den Frauen und den Farben erzählen.

Treffpunkt

Als ich heute etwas im Keller suchte, stieß ich auf meine alten Tagebücher. Ich bin fasziniert davon, wie ich damals meine Tage in Worten festgehalten habe.

Schreibst Du Tagebuch oder hast Du es mal getan? Ein Tag in unserem Leben geht so schnell vorbei. Und doch geschieht an ihm so Vieles. Mit uns und unserem Leben.

Und darum geht es auch in den Bildern von Job Klijn – um das Leben und darum, was wir machen, in einem Augenblick, an einem Tag. Lasst uns die Bilder mit den folgenden Fragen ansehen:

The Time Given, Job Klijn 2019
  1. Was sehen wir?
  2. Welche Rolle spielen die Farben in den Bildern?
  3. Was machen die Bildertitel mit uns?

Was sehen wir?

In dem Gemälde ‘The Time Given’ sehen wir eine Frau. Sie läuft in das Bild hinein.

Vor ihr türmen sich farbige Wolken auf. Eine helle Wolke wird im oberen Bildteil von dunkleren, rotenschimmernden Wolken abgelöst. Solche Farbgebilde finden wir auch in dem nächsten Gemälde, ‘ Should I Just Kiss You and Find Out?’.

Mächtig türmen sie sich hinter einer ebenfalls kleinen Frauenfigur auf. Sie ist uns zugewandt, aber gerade beschäftigt. Was würdest Du sagen, dass sie gerade macht? Vielleicht tanzen?

Ähnliche Farbtöne wie in ‘ Should I Just Kiss You and Find Out?’ sehen wir auch in ‘Liters and Liters of Nostalgia’. Vor dem stillen, ruhigen Meer sitzt eine Frau – sie blickt auf das Wasser.

Welche Rolle spielt die abstrakte Malerei in den Bildern?

Magst Du gerne abstrakte Malerei oder siehst Du dir lieber Bilder mit Personen an? Hier bei Job Klijn haben wir von beidem etwas.

Farbenkreis zur Symbolisierung des menschlichen Geistes- und Seelenlebens, Johann Wolfgang von Goethe, 1809, Goethe-Museum, Frankfurt

Zu den Frauen gehören die Farbwolken. Wir sehen weniger bestimmte Orte, sondern vor allem die Farben an sich.

Und die Farben machen etwas Bestimmtes mit uns. Das erkannte schon der deutsche Dichter Johann Wolfgang von Goethe, der Ende des 18. und Anfang des 19. Jahrhunderts lebte.

Goethe ordnete den Farben bestimmten ‘Stimmungen’ zu. In seinem Farbkreis befinden sich auf der rechten Seite die ‘warmen, lebhaften,’ Farben. Dagegen sind links die ‘kälteren, unruhigen’ Farben zu sehen.

The Time Given

Was schon Goethe bei den Farben entdeckte, sehen wir auch bei Job Klijns Bildern. Die Farben tragen zu der Stimmung bei, die wir mit den Frauen in den Bildern verbinden.

Die eine Frau läuft einem hellen Himmel entgegen, das hat etwas Hoffnungsvolles. Vielleicht lässt dieser Hoffnungsschimmer sie bald etwas langsamer werden.

Bei der tanzenden Frau wechseln sich die Farben noch ab, das lebhafte Licht scheint die kühlen Blautöne langsam zu verdrängen. Die Frau tanzt die dunklen Farben mit ihrer Freude weg.

Und bei der Frau am Wasser gehen Meer und Himmel ineinander über. Die kühlen Farben erschaffen eine leicht traurige Stimmung, in die die stille Frau hineinpasst.

Was machen die Bildertitel mit uns?

Wenn Du dir ein Bild ansiehst, liest Du dann erst den Titel oder schaust Du dir erst das Bild an? Bei Job Klijn sind die Titel etwas ganz Besonderes. Wie Ausschnitte aus Gedichten lesen sie sich.

Die Frauen, die Farben und die Bildtitel erzählen zusammen die Bildgeschichten. Sie handeln davon, wie wir mit der Zeit laufen und ein Hoffnungsschimmer uns langsamer werden lässt. Oder wie wir tanzen, weil wir mutig waren und der Kuss unser Leben aufleuchten lässt. Und davon, wie wir verweilen, vielleicht etwas traurig sind, aber den Augenblick als solchen hinnehmen.

Das alles kann an einem Tag passieren, wir können es in einem Tagebuch oder in Gemälden festhalten. Wir können es vergessen, uns wieder daran erinnern, und dann kommt schon der nächste Tag. Aber die Hauptsache dabei ist, dass es an jedem Tag auch die hellen Farbschimmer inmitten der noch so dunklen Wolken gibt.

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